Ein fulminanter Start
Ich bin geschieden und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Drei Jahre nach meiner Scheidung verliebte ich mich in eine von ihrem Mann getrennte Frau mit drei Kindern. Der Anfang der Beziehung war von einer sehr intensiven Zeit geprägt. Ich wurde mit Komplimenten überschüttet und liess mich sozusagen im Sturm erobern. Sie war eine sehr charismatische und äusserst hilfsbereite Frau. Die schöne intensive Anfangsphase verging wie im Flug und ich wollte die rosa Brille gar nicht mehr absetzen. Damals war mir noch nicht bewusst, dass ich mich in einer Love- Bombing-Phase befand. Nach etwas mehr als einem Jahr Beziehung, als ich an einem Abend von der Arbeit nach Hause kam, schaltete ich meinen Computer an, um meine E-Mails zu checken.
Eine Welt brach zusammen
Ich staunte nicht schlecht, als ich im Posteingang eine E- Mail von ihr vorfand, in welcher sie wie aus dem Nichts um eine Auszeit von zwei Monaten bat! Für mich brach eine Welt zusammen. Ich versuchte, sie anzurufen, damit wir die Situation gemeinsam klären können, aber sie wollte nicht telefonieren. Im Laufe des Abends schrieb sie mir eine weitere E-Mail, in welcher sie mich bat, sie die nächsten zwei Monate in Ruhe zu lassen. Sie würde sich dann wieder melden, wenn sie dazu bereit wäre. Also nach zwei Monaten! Sämtliche meiner E- Mails oder SMS, (WhatsApp war zu dieser Zeit noch kein Thema), blieben unbeantwortet.
Ein Wiedersehen mit Folgen
Ein paar Tage, bevor die Frist von zwei Monaten abgelaufen war, traf ich sie zufällig im Dorf. Wir fielen uns in die Arme und verabredeten uns noch am selben Abend bei ihr zu Hause. Es war, als hätte es nie eine Auszeit gegeben. Wir sahen uns dann häufiger, vor allem am Abend, und ich verbrachte viel mehr Zeit mit Ihr und ihren Kindern, was vor der Auszeit nie der Fall war. Es verging kein Abend, an welchem sie nicht mit ihren Kindern in heftige Diskussionen verwickelt war. Das Schlimme war, dass sie ihre eigenen Kinder auf Übelste beschimpfte und abwertete. Für mich waren dies keine schönen Abende. Ich dachte, dieser Umgang zwischen ihr und ihren Kindern sei normal. Vielleicht ist sie mit den drei Kindern überfordert? Weit gefehlt, es steckte viel mehr dahinter, was mir zu dieser Zeit noch nicht bekannt war.
Die schlimmsten Ferien meines Lebens
Nach ein paar Jahren drängte meine Partnerin ihren Noch-Ehemann aus seiner Wohnung, welche sich im selben Zweifamilienhaus befand, in welcher meine Partnerin wohnte. Als er endlich eine Wohnung gefunden hatte, fragte sie mich, ob ich nicht Lust hätte, in diese Wohnung einzuziehen. Ich überlegte nicht lange und sagte zu. Endlich waren wir am selben Ort zu Hause. Wir wohnten zusammen, aber jeder in seiner eigenen Wohnung. Die Kinder verstanden sich sehr gut untereinander. Leider nutzte meine Partnerin diese Situation schamlos aus. Ihre älteren Töchter wurden vor meinen Kindern abgewertet. Für mich und meine Kinder waren dies sehr peinliche Situationen- und das gute Verhältnis unter den Kindern wurde so, leider innert kürzester Zeit zerstört. Wir verbrachten dann zwei Wochen Sommerferien am Meer. Es waren die schlimmsten Ferien meines Lebens. Nichts, was ich vorgeschlagen oder unternommen hatte, war gut genug, damit harmonische Ferien hätten verbracht werden können. Die Ferien plätscherten wenigstens ohne grössere Streitereien dahin.
Permanente Abwertungen
Kaum zu Hause angekommen erteilte sie mir, eine Lektion. Natürlich war alles meine Schuld. Und wieder einmal benötigte sie ein paar Tage Distanz. Nun begann sie, auch mich abzuwerten und vor anderen Leuten blosszustellen. Aussagen wie «Du bist mir nicht auf Augenhöhe», «Du bist zu wenig belesen» und «Du bist nur Handwerker» usw. waren keine Seltenheit. Und trotzdem hatte ich nie in Erwägung gezogen, mich zu wehren oder die Beziehung zu beenden. In dieser Phase der Beziehung dachte ich: «Wieso kann es nicht wieder wie am Anfang sein?» Natürlich ist mir bewusst, dass die rosa Brille früher oder später abgesetzt wird, aber diese grosse Kehrtwende und die ewigen On- Off's waren mir ein Rätsel.
Geburtstagsdinner
An ihrem runden Geburtstag war sie von ihren besten Freundinnen auf einen Ausflug eingeladen. Ich hatte mich im Vorfeld mit den Freundinnen abgesprochen, und wir vereinbarten, dass ich als Überraschung ein Geburtstags- Dinner auf die Beine stellen werde. Ich koche leidenschaftlich gerne, und so war es naheliegend, dass ich ein Dreigang- Menü hinzauberte. Gegen Abend erschienen die Frauen dann. Alle waren sehr erfreut, ausser meiner Partnerin. An allem hatte sie etwas auszusetzen. Zwischen den Speisen würde zu viel Zeit vergehen, es werde zu spät usw. Ich denke, ihren Freundinnen war das Benehmen meiner Partnerin peinlich. Es entwickelte sich eine komische Stimmung. Als die Freundinnen sich gegen Mitternacht verabschiedeten, meinte meine Partnerin, dass sie müde von diesem anstrengenden Tag sei und schlafen gehen würde. Sie wünschte mir eine gute Nacht – und weg war sie! Immerhin war es ein runder Geburtstag, wohlverstanden!
Eine Hiobsbotschaft aus heiterem Himmel
Ein paar Wochen später, wir waren mit Freunden meiner Partnerin am Nachmittag zum Grillen verabredet, passierte Folgendes: Ich hatte den ganzen Morgen Salate und Snacks vorbereitet, damit wir, wenn meine Partnerin von der Arbeit nach Hause kommt, baldmöglichst zum Grillen fahren können. Sie kam dann kurz nach Mittag nach Hause, stürmte in meine Wohnung, und erklärte mir, dass sie die Beziehung sofort und endgültig beendet. Sie würde sich mit einer Freundin treffen, damit sie sich nach dieser Entscheidung mit jemandem austauschen könne. Diese Hiobsbotschaft zog mir den Boden unter den Füssen weg.
Lieben heisst wollen
Obwohl wir im selben Haus wohnten, sahen wir uns nur noch selten. Sie war auch stets unterwegs und liess ihre Kinder Abend für Abend allein zu Hause. Für den kommenden Herbst hatten wir für zwei Wochen ein Chalet in den Bergen gebucht. Wir konnten uns einigen, dass zuerst ich und dann sie eine Woche dort verbringen würde. Als es dann so weit war, bereitete ich alles vor machte mich auf den Weg. Ich hatte mir vorher ein wenig Literatur über das Thema Liebe und Beziehungen besorgt. Es war ein wunderschönes, fast neues Chalet. Ich fühlte mich sofort sehr wohl, aber einsam. Es verging keine Stunde, ohne dass ich an sie denken musste. Ich begann, ich ein erstes Buch zu lesen:» Lieben heisst wollen» von Holger Kuntze. Ich war nach wie vor überzeugt, dass es einmal mehr an mir gelegen hatte, dass die Beziehung beendet wurde. Dieses Buch änderte meine Meinung innert kürzester Zeit.
Erhellende Einblicke in toxische Beziehungsdynamiken
Bis anhin waren für mich Begriffe wie toxisch, Narzissmus, Love Bombing usw. Bezeichnungen, welche ich noch nie gehört hatte. Kein Wunder, ich hatte mich nie damit auseinandergesetzt. In diesem Buch war mein Erlebtes sehr gut beschrieben. Ich begann, nach weiteren Büchern zur Thematik zu suchen, und wurde schnell fündig. Bücher wie «Schleichendes Gift» von Christine Merzeder, welche sich auch in einer sehr schwierigen narzisstischen Beziehung befand, oder «Weiblicher Narzissmus» von Bärbel Wardetzki (deutsche Psychotherapeutin), welche sich mit Ess- Störungen und Narzissmus auseinandersetzt. Diese und weitere Bücher findet Ihr übrigens unter der Rubrik Buchempfehlung. Die ganzen Ferien recherchierte ich über dieses Thema. Ich konnte sogar eine Selbsthilfegruppe in Basel ausfindig machen, welcher ich mich dann auch angeschlossen hatte.
Ein Neuanfang
Ein paar Monate später gründete ich mit einer Freundin, welche ich in der Selbsthilfegruppe kennengelernt hatte, infolge der grossen Nachfrage eine neue Gruppe. Nach anderthalb Jahren haben wir die Leitung der Gruppe an ein Mitglied übergeben. Ich kann eine Selbsthilfegruppe wärmstens empfehlen, dort findet man Gleichgesinnte und wird ernst genommen. Mir persönlich haben diese Gruppe und die Sitzungen bei einem Psychologen sehr geholfen. Eine grosse Hilfe waren für mich Lieder von Herbert Grönemeyer. Vielleicht ist Herbert Grönemeyer nicht jedermanns:frau Sache, aber man kann sich die Texte ein bisschen zurechtlegen, und sie passen teilweise ausgezeichnet zum Thema Narzissmus. Natürlich gehen einem viele Gedanken zum Erlebten durch den Kopf wie zum Beispiel: Wieso muss so etwas ausgerechnet mir passieren? War es überhaupt Liebe vom Gegenüber? Warum habe ich die Beziehung nicht selbst beendet? Fragen über Fragen.
Blick zurück
Heute würde ich jenen, welche lange in einer langjährigen narzisstischen Beziehung waren und darunter leiden, sogar eine Psychotherapie empfehlen. Aber auch das ist nicht jedermanns:frau Sache. Ich wäre damals sehr froh gewesen, hätte ich eine Fachstelle oder Fachperson gefunden, welche sich mit dem Thema Narzissmus auskennt und man sich verstanden fühlt! Ich könnte noch etliche Episoden beschreiben, welche ich in diesen sieben Jahren erlebt habe. Es war eine enorme psychische Belastung. Ich dachte mir, schlimmeres werde ich nicht erleben. Doch lasst mich über die nächsten knapp sieben Jahre berichten. Ich hätte nicht gedacht, dass noch eine Steigerung möglich wäre!
Start in die Zukunft
Ein paar Monate nach der Trennung, schrieb mir Ihr Ex- Mann eine E-Mail und bat mich in absehbarer Zeit eine Wohnung zu suchen. Dies obwohl er mir ein paar Wochen zu vor mitgeteilt hatte, dass er in die Wohnung seiner Ex- Frau einziehen würde und ich gerne in m einer Wohnung wohnen bleiben dürfe. Einerseits hatte ich mit dieser Aufforderung sehr viel Mühe, andererseits sah ich es nach langer Trauer, für die Chance eines Neuanfangs. Am selben Abend durchstöberte ich die Anzeigen für Wohnungen im selben Dorf. Schon bald stiess ich auf eine private Anzeige. Die Wohnung war sehr heimelig und es wohnten nur wenige Personen in dieser Liegenschaft. Also bewarb ich mich auf diese Anzeige. Ich staunte nicht schlecht, als ich nur eine Stunde später schon eine Antwort, mit Terminvorschlägen erhielt. Schon am nächsten Tag konnte ich mir die Wohnung ansehen. Es war eine ältere Liegenschaft mit drei Wohnungen und einem sehr grossen Garten. Für jede Wohnung stand ein Gartensitzplatz zu Verfügung. Ich füllte noch vor Ort, das Anmeldeformular aus und erhielt nur wenige Tage später den Vertrag zu Unterzeichnung zugeschickt. Der Start in die Zukunft hatte begonnen.
Wechselbad der Gefühle
Schon ein paar Wochen später stand der Umzug an. Abend für Abend zügelte ich Kisten und kleinere Möbelstücke. Dann, an einem Samstag, transportierte ich mit einem Freund die restlichen Möbel. Während wir die Möbel aufstellten, kochten meine Kinder ein feines Abendessen. Nachdem sich dann alle verabschiedet hatten, wollte ich schlafen gehen. Kaum im Bett, begann das Kopf- Karussell zu drehen. All die Erlebnisse, einerseits die schönen und andererseits die Unschönen wurden wieder hervorgerufen. Ein richtiges Wechselbad der Gefühle. Etwa eine Woche nach dem Umzug, vereinbarte ich mit dem Ex- Mann meiner Ex- Partnerin den Abnahmetermin für meine vorherige Wohnung. Meine Ex- Partnerin war auch mit von der Partie. Überall wollte sie sich einmischen. Als ich mich nicht darauf einliess, verduftete Sie in Windeseile und ich habe sie nie mehr gesehen.
Ein Nachmittags- Date für Ältere
Etwa eineinhalb Jahre später, lernte ich eine Frau kennen. Sie wohnte ein paar Dörfer weiter und hat drei Kinder. Zwei der Kinder waren bereits erwachsen, die Jüngste war kurz davor. Anfangs schrieben wir uns nur. Nach ein paar Tagen des Schreibens, verabredeten wir uns schliesslich an einem Nachmittag auf ein Date. Es war schönes Wetter und sehr warm. Wir begrüssten uns und eine gewisse Nervosität von Beiden war nicht zu verbergen. Hatten wir uns vorher noch nie gesehen. Es wurde ein sehr schöner Nachmittag mit anschliessendem Abendessen, alles sehr stimmig. Die Zeit verging wie im Flug und wir machten uns kurz vor Mitternacht auf den Heimweg. Bei Ihr zu Hause angekommen, es war mittlerweile schon drei Uhr morgens, bestellte ich ein Taxi und liess mich nach Hause fahren.
Eine neue Beziehung mit grosser Familie
Am nächsten Tag verabredeten wir uns zum Brunch bei mir zu Hause. Wir verbrachten einen schönen Tag mit Spaziergängen und berührenden Gesprächen. Es entwickelte sich langsam, aber sicher eine wunderbare, harmonische und liebevolle Beziehung. Anfangs war ich am Abend oft bei ihr und ihren zwei jüngeren Kindern, der älteste Sohn war bereits in eine eigene Wohnung gezogen. Ihre Familie war sehr gross. Alles nette und liebe Menschen. Wir verbrachten viel Zeit mit Ihrer Familie. Meine Mutter lebt nicht hier in der Region, weshalb wir uns auch nicht so viel sehen. Meine neue Partnerin war eine sehr liebe, verständnis- und humorvolle Frau, wir begegneten uns auf Augenhöhe. Wir hätten «fast» alles füreinander gemacht und obwohl sie sehr korrekt war, hätte man Pferde mit ihr stehlen können.
Eine Oase am Mittelmeer
Die Monate vergingen, wie im Flug und wir beschlossen, nach etwa zwei Jahren Beziehung für eine Woche ans Meer zu fahren. Ich fand dort ein Jahr nach meiner Beziehung mit der narzisstischen Frau eine kleine Oase, direkt am Meer. Sehr klein, aber so fein. Wir verbrachten eine super Woche. Grossartige Menschen, gutes Essen weißer Sandstrand und glasklares Wasser, was will man mehr. Wir befreundeten uns mit den Pächtern. Leider verging diese Woche viel zu schnell. Ein Jahr später fuhren wir für zehn Tage dort hin. Ein halbes Jahr später erfuhren wir, dass das Paar sich getrennt und die Pacht aufgelöst hatte. Schade, gerne wären wir noch einmal dorthin gefahren....
Eine ereignisreiche Zeit
Zwischenzeitlich wechselte ich, nach über zehn Jahren, meinen Job. In der neuen Firma mit über 200 Mitarbeitenden, leitete ich eine Abteilung mit knapp zwanzig Mitarbeitern. Leider wurde der Druck immer grösser und die Wertschätzung ging immer mehr verloren. Schlaflose Nächte hielten Einzug und ich entschloss mich zu kündigen. Mir war schon bewusst, dass die Kündigung, war ich doch bereits 59 Jahre alt, nicht ganz ohne Risiko war. Aber erstens hatte ich sechs Monte Kündigungsfrist und zweitens waren in unserer Branche erfahrene Mitarbeiter in leitenden Funktionen gesucht wie noch nie. Doch es kam alles anders als erwartet. Ich entschloss kurzerhand mich Selbstständig zu machen. Dies bedeutete, nach zwanzig Jahren handwerklicher Abstinenz, selbst wieder Heizungsanlage zu bauen, zu Schrauben und zu Bohren. Beide Familien standen hinter mir und ermutigten mich diesen Weg zu gehen. Innert kürzester Zeit öffneten sich Tür um Tür, und bis heute bereue ich meine Entscheidung nicht im Geringsten.
Besuchsabend bei einem Medium
Ungefähr jeden zweiten bis dritten Samstag besuchte meine Partnerin Kurse bei einer Lebensberaterin, welche mediale Kurse und Sitzungen anbot. Sie fährt schon mehrere Jahre dort hin. Sie erzählte mir dies schon am Anfang unserer Beziehung. Wir redeten über alles und schliesslich hat fast jeder seinen Rucksack. Wenn sie von diesen Kursen nach Hause zurückkehrte, war sie immer sehr aufgestellt. Für mich war die Situation okay und da ich spirituell nicht so angehaucht bin, war mein Interesse nicht so gross und ich stellte ihr diesbezüglich auch keine Fragen. Eines Abends erzählte sie mir, dass zeitnah ein Besuchsabend bei dieser Lebensberaterin stattfinden würde und ob ich nicht Lust hätte mitzukommen, um mir anzusehen was dort gemacht wird. Da ich von Natur aus neugierig bin, stimmte ich zu und schon bald fuhren wir an einem Abend dort hin. Ich hatte von tuten und blasen keine Ahnung was mich dort erwarten würde und war gespannt der Dinge, die da kommen würden.
Gespräch mit dem grossen weißen Adler
Die Lebensberaterin, welche sich dann vorstellte, erklärte uns, dass sie ein Medium sei und Verbindung zur geistigen Welt aufnehmen könne. Genauer gesagt, dass die Geistwesen durch die Stimmbänder des Mediums Fragen beantworten, welche wir stellten. Sie liess sich in einen Trance ähnlichen Zustand versetzen und kurze Zeit später begrüsste und der grosse weisse Adler aus der geistigen Welt durch die Stimmbänder des Mediums. Ein sehr spezieller Moment. Ich stellte ihm Fragen über meinen verstorbenen Vater und ich war sehr erstaunt, was der grosse weisse Adler alles über meinen Vater und mich wusste. In einer zweiten Fragerunde, wollte ich wissen, warum ich immer wieder an narzisstische Personen geraten bin und was er von meiner Idee der Selbstständigkeit halte. Der weisse Adler meinte, diese Frage könne er hier nicht beantworten und dass wir diese Themen an Einzelsitzungen beim Medium besprechen können. Was für ein Abend. Ehrlich gesagt war ich schon ein bisschen geflasht.
Der Fels vor der Höhle
Ein paar Tage später unterhielten meine Partnerin und ich über den Besuchsabend bei diesem Medium und ich entschloss mich anschliessend, zwei Einzelsitzungen zu buchen. Gespannt fuhr ich an einem Nachmittag dorthin. Wiederum liess sich das Medium in Trance versetzen und stellte die Verbindung zur geistigen Welt her. Nun konnte ich rund 45 Minuten lang, Fragen stellen und erhielt Antworten. Nicht immer wurde konkret auf die gestellten Fragen eingegangen oder geantwortet, aber ich dachte mir nichts dabei. Es stand zwei Wochen später ja noch eine weitere Sitzung an. Nach einem zusammenfassenden Gespräch bezahlte ich die erste Sitzung und machte mich anschliessend auf den Heimweg. Zwei Wochen später stand die zweite Sitzung an und ich fuhr erneut zum Medium. Das Medium teilte mir mit, dass dieses Mal eine mediale Sitzung stattfinden würde. Wir redeten über meine vergangene Beziehung, Narzissmus und über meine Selbstständigkeit. Es vielen Aussagen wie:» du musst den Stein vor deiner Höhle verschieben» oder «du musst Freunde verabschieden», ansonsten wird dein Geschäft den Bach runter gehen.... harte Worte, welche das Medium übersetzte. Aber immer noch, war ich überzeugt, dass ich das Richtige mache.
Lovebombing vom Feinsten
Ein paar Wochen später, durfte ich endlich an einem medialen Kurs teilnehmen. Es war ein spannender Kurs, an welchem weiter Personen teilnahmen. Die meisten fahren seit Jahrzehnten zu diesem Medium in Trance- oder Medial Kurse. Alles sehr liebenswerte Menschen. Ich wurde herzlich in die Gruppe aufgenommen. Die Zeit verging wie im Flug. Nach dem Kurs wurde noch geplaudert, bevor wir uns dann wieder auf den Heimweg machten. Am Abend schrieb mir das Medium per WhatsApp, dass es sehr erstaunt wäre, wie gut ich an diesem Kurs mitgemacht und ich mich in die Gruppe eingefügt hätte. Komplimente über Komplimente! Die lieben Worte freuten mich und meine Partnerin natürlich und trotzdem konnte ich diese nicht richtig einordnen.
Umzug
Eines Abends kam meine Partnerin von der Arbeit nach Hause und erzählte mir voller Begeisterung, dass wir eine Wohnung zusammen mieten könnten. Das i-Tüpfchen welches in unserer schönen Beziehung noch fehlte. Wir schauten uns die Wohnung gemeinsam an und entschlossen uns diese zu mieten. Da ich Dank meiner Selbstständigkeit meine Arbeit selbst einteilen kann, war es mir möglich meine Wohnung vorab schon zu zügeln, was vieles vereinfachte. Endlich stand dann auch der Umzug meiner Partnerin mit ihrer Tochter an, welcher auch problemlos über die Bühne ging. Wir genossen die ersten Besuche und verbrachten eine wunderbare Zeit zusammen.
Erste Zweifel
Der nächste mediale Kurs, an dem ich teilnehmen durfte, fand etwa zwei Monate später statt. Ich war über das Verhalten des Mediums sehr erstaunt. Zu Beginn des Kurses erzählte das Medium über private Geschehnisse der vergangenen Wochen. Anschliessend stellte sie sich regelrecht auf ein Podest, erzählte uns, wie toll sie sich findet und dass sie die Beste ihres Faches sei. Während des Kurses begann Sie eine Person, aufs übelste abzuwerten. Mich erstaunte sehr, dass niemand auf diese Abwertungen reagierte. Während des Kurses unterhielten wir uns über einen Freund eines Kursteilnehmers, welcher sich das Leben genommen hatte. Das Medium meinte folgendes: «Endlich ist dieser Freund für sich eingestanden, hat Verantwortung übernommen und hat sich das Leben genommen»! Was für eine Aussage! Das man für sich einsteht, finde ich grundsätzlich gut, aber die Aussage, er hätte Verantwortung übernommen und sich das Leben genommen, halte ich für gefährlich und fahrlässig. Für mich waren dies die ersten Anzeichen, dass hier etwas nicht stimmt. Natürlich sprach ich meine Partnerin während der Heimreise über das Verhalten des Mediums an, aber leider war das Medium unantastbar. Trotz all diesen Vorkommnissen fuhr ich dann ein paar Wochen später mit meiner Partnerin an einen Trance- Kurs. Aber so richtig bei der Sache war ich nicht mehr.
Viel Druck und eine unerwartete Nachricht
Gegen Ende Jahr, forderte mich meine Partnerin zusehends auf, mich mit dem Medium in Verbindung zu setzen, um weitere Einzelsitzungen zu vereinbaren, ansonsten könne ich an den Kursen nicht mehr teilnehmen. Ich hatte zwischenzeitlich viel Arbeit und kümmerte mich nicht sofort um neue Termine. Immer wieder bat mich meine Partnerin, dass mich endlich beim Medium melden soll. Ich teilte meiner Partnerin mit, dass das Medium mich nicht über Umwegen auffordern soll weitere Sitzungen zu besuchen. Leider stiess ich auf Granit, was mich sehr erstaunte, konnten wir sonst doch so gut über alles reden. Als ich dann am Anfang des neuen Jahres, mich für Einzelsitzungen anmelden wollte und das Medium, dies betreffend angeschrieben hatte, antwortete mir das Medium ein paar Tage später folgendes: Hallo Thomas, ich habe mich entschlossen ab dem neuen Jahr nicht mehr mit Paaren zu arbeiten. Da deine Partnerin schon sehr lange an meinen Kursen teilnimmt, hat sie natürlich den Vorzug. Ich schrieb ihr: Besten Dank für deine Nachricht. Ich respektiere deinen Entscheid und wünsche dir alles Gute. Anschliessend blockierte mich das Medium auf sämtlichen sozialen Kanälen! Eigenartig! Für mich, war damit das Thema Medium abgeschlossen. Tags darauf meinte meine Partnerin. Schade, dass die Türe beim Medium für dich zugegangen ist!
Fatale Konsequenzen
Meine Partnerin besuchte seit Ende des vergangenen Jahres auffällig viele Einzelsitzungen beim Medium. Als ich sie darauf ansprach, sagte sie mir, sie wolle sich in der Trance weiterentwickeln und würde deshalb mit einer Freundin der Gruppe beim Medium Trance- Sitzungen besuchen. Ab Mitte des Monats begann sich eine eisige Kälte meiner Partnerin mir gegenüber aufzubauen, was mich sehr verwirrte und auch Ängste hervorhob. Ende des Monats fragte ich meine Partnerin an einem Abend, was denn los sei und ob ich etwas falsch gemacht hätte. Sie antwortete mir folgendes: Nein, du hast gar nichts falsch gemacht, aber ich beende jetzt diese Beziehung! Einmal mehr zog es mir den Boden unter den Füssen weg. Eine Beziehung ohne waren Grund einfach so aus dem nichts zu beenden, warfen natürlich viele Fragen auf. Wir wohnten noch etwas mehr als einen Monat zusammen, danach zügelte sie in eine andere Wohnung.
Die grosse Leere
Am Abend des Umzugs, erkundigte ich mich bei ihr, wie weit sie mit dem Umzug sei? Sie meinte, es müsste alles erledigt sein, würde es aber sicherheitshalber abklären, da sie während dem Umzug an einem Kurs beim Medium teilgenommen hatte. Kurze Zeit später schrieb sie mir, dass alles erledigt sei. Ich fuhr dann nach Hause. Als ich in die Wohnung kam, musste ich nur noch weinen. Die grosse Leere hatte Einzug gehalten und es folgten sehr schwere Monate. An Schlaf war nicht zu denken, immer wieder drehte sich das Gedanken- Karussell. Täglich fuhr ich ins Büro, aber gearbeitet hatte ich nicht wirklich. Ich recherchierte und überlegte, konnte aber für das Passierte keine richtige Erklärung finden. Ich schrieb verschiedensten Institutionen an. Aber immer landetet ich bei häuslicher Gewalt. Ich war überzeugt, dass das Medium im Zusammenhang mit dem Passierten stehen würde.
Endlich ein Lichtblick
Eines Abends besuchte mich ein sehr guter Freund in meinem Büro. Er hatte bis anhin mein Büro noch nicht gesehen. Wir setzen uns an einen Tisch und redeten über das Geschehene. Ich erklärte Ihm wie die Trennung abgelaufen war. Wir redeten auch über die Kurse beim Medium. Er meinte dann auf einmal, das sind ja Zustände wie in einer Sekte! Ein harter Ausdruck, aber diese Aussage war für meine weiteren Recherchen elementar wichtig. Tags darauf war ich sehr früh im Büro. Ich durchstöberte das Netz und stiess auf die Webseite der Fachstelle infoSekta. Schnell fand ich sehr informative Hinweise auf dieser Seite. Nach langem Durchsehen der Webseite, schrieb ich eine Mail an infoSekta und schilderte das Erlebte. Schon bald erhielt ich erhielt ich Antworten auf meine Fragen, welche für mich teilweise sehr ernüchternd waren.
Narzisstische Schlagseite und Manipulationen
Zuhause fand ich Unterlagen, welche meine Partnerin wohl beim Umzug vergessen hatte. Diese Unterlagen zeigten mir relativ schnell auf, dass das Medium die Trennung zwischen meiner Partnerin und mir forcierte, ich wage sogar zu behaupten, dass das Medium einen Keil zwischen unsere Beziehung getrieben hatte. Ich war in eine Gruppe mit sektenhaften Strukturen geraten, welchen ich mich nicht unterordnen wollte. Das Medium schreckte vor nichts zurück, manipulierte sie meine Partnerin sogar mit Einträgen im Handelsregister meiner Firma, oder von mir nicht unterzeichneten Generalvollmachten, bis hin zu Erbansprüchen meiner Kinder! Was für ein narzisstisches und manipulatives Verhalten des Mediums.
Eine schwere Entscheidung
Ich wollte nicht aufgeben und kämpfte mit allen Mitteln weiter. Leider ohne Erfolg. Nach langem Hoffen fällte ich eines Abends den Entscheid, meine Partnerin loszulassen. Stellt man sich vor, dass man eine geliebte Person, respektiv eine ganze Familie, infolge Manipulationen und narzisstischen Psychospielen durch eine dritte Person verloren hat. Schweren Herzens und aus Eigenschutz fällte ich diese Entscheidung. Eine schwere Zeit begann. Zum Glück hatte ich viel Arbeit, was mich ablenkte, wären da nur nicht die einsamen Abende gewesen. (Emotionale Einsamkeit)
Der Zusammenbruch
Ein paar Wochen später, ich wollte einen Bürotag einlegen, kam ich morgens nicht mehr aus dem Bett. Ich fühlte mich lustlos, schlapp und mir war alles zu viel. Irgendwie raffte ich mich zusammen, stand unter die Dusche und vereinbarte anschliessend einen Termin beim Arzt. Hatte ich vor einiger Zeit auch schon mächtig mit sehr grossen Blutdruckschwankungen zu kämpfen. Ich erzählte ihm von den Vorfällen der letzten Monate, und er empfahl mir umgehend eine Psychotherapie zu beginnen und das ich vermutlich an einer Erschöpfungsdepression leide. Leider betrugen die Wartezeiten für einen Therapieplatz 12 bis18 Monate. Durch eine Empfehlung wurde mir ein Psychotherapeut in Zürich empfohlen. Also nahm ich mit diesem Kontakt auf und konnte innerhalb einer Woche einen Termin vereinbaren. Das sogenannte Erstgespräch verlief sehr gut und der Therapeut entschied sich mit mir zu arbeiten.
Langsame Schritte zurück in ein normales Leben
Die ersten vier Monate fuhr ich jeden Montag nach Zürich. Der Therapeut ist sehr einfühlsam, was mir als sensibler Mensch entgegengekommen ist. An der ersten Sitzung besprachen wir zusammen, was mir aktuell am meisten zu schaffen macht. Ich sagte ihm, dass ich seit Monaten nicht mehr richtig schlafen kann und stetig an das Erlebte denken müsse. Er brachte mir ein paar einfache Übungen bei, welche ich zu Hause ausprobieren sollte. Schon sehr schnell zeigten die Übungen ihre Wirkung. Langsam, aber sicher kam ich wieder in einen Schlafrhythmus und lernte mit dem Erlebten, besser umzugehen. Was für ein neues Lebensgefühl! Von Sitzung zu Sitzung geht es mir besser. Die Freude an der Arbeit kehrt zurück und ich fühle mich viel besser als noch vor ein paar Monaten. Trotzdem fahre ich, immer noch ein bis zweimal pro Monat nach Zürich um das Erlebte zu verarbeiten. Ich kann alle verstehen welche vielleicht über das erzählte lächeln und denken, das hätte man doch merken müssen, oder es gibt doch keine geistige Welt usw. Aber die geschickten Manipulationstechniken waren leider nicht zu erkennen.
Was bleibt
Nach der Beziehung mit der narzisstischen Partnerin, hätte ich nicht im Entferntesten gedacht, etwas noch Schlimmeres zu erleben. Meine Geschichte soll aufzeigen, dass wir vor nichts gefeit sind. Manipulationen in solchen Dimensionen sind sehr schwer zu erahnen. Selbst gut gebildete und reflektierende Personen können in eine solch sektiererische Gruppe geraten. Nebst einer Psychotherapie kann ich Gespräche im Freundeskreis, Literatur oder Podcasts zur Thematik empfehlen. Auch der Austausch mit infosekta hat mir sehr geholfen, das Jammertal, wie es eine Psychologin einmal nannte, zu verlassen und den jetzigen Weg zu gehen. Hierfür bin ich unendlich dankbar. Natürlich waren die Lieder von Herbert Grönemeyer, auch ein wesentlicher Bestandteil, das Geschehene aufzuarbeiten. Wenn immer möglich versuche ich, das Erlebte zu erzählen. Dann und wann trifft man auf Menschen, welche selbst Freunde oder Bekannte haben, die in einer solchen Gruppe verhangen sind. Darum auch diese Plattform. Hier können sich Betroffene oder auch Angehörige austauschen, Fragen stellen, oder über Hilfe informieren. Die eigene Scham zu überwinden, sehe ich als eine der grössten Hürden, darum meldet euch, hier werdet ihr gehört und ernst genommen. Ich weiss, wie gross der Leidensdruck sein kann.....
Herzlichst
Thomas
← Zurück zum Blog